Christian on October 16th, 2010

Bei einer Gasexplosion in einem Bergwerk sind in China mindestens 20 Bergarbeiter getötet und 17 verschüttet worden. Das meldet die Tagesschau heute unter Berufung auf die chinesische amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Demnach ereignete sich das Unglück in der Stadt Yuzhou 禹州市 in der Provinz Henan 河南 gegen 18:00 Uhr Ortszeit. Bis heute (16.10.2010) 13 Uhr Ortszeit konnten 20 Tote geborgen werden. 17 Weitere Bergleute sind demnach noch verschüttet. Gegenwärtig laufen die Rettungsarbeiten auf Hochtouren.

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Bei Bergwerkunglücken in China kommen jedes Jahr über 2.600 Menschen ums Leben. Viele der Minen in dem energiehungrigen Land sind illegal. (Foto: Xinhua; http://news.xinhuanet.com/photo/2010-10/16/c_12666805.htm)

Das Unglück ereignete sich nur zwei Tage, nachdem in Chile 33 Berarbeiter lebend aus einer verschütteten Mine geborgen worden waren. Das Schicksal der 33 Bergleute, die 69 Tage unter Tage eingschlossen waren, bewegte die ganze Welt. Etwa 1.500 Journalisten verfolgten die Bergung. In vielen Ländern wurde sie live übertragen, so z.B. auch bei ARD und ZDF. In Chile ist nach dem Unglück eine Debatte über die Sicherheitsbedingungen in Minen und an Arbeitsplätzen allgemein entbrannt. Laut taz (15.10.2010) sterben in dem südamerikanischen Andenstaat jede Woche 4 Menschen bei Arbeitsunfällen.

Minenunglücke wie das in Chile sind in China an der Tagesordnung und rechtfertigen daher offenbar keinen derart großen Medienrummel. Die chinesische Minen gelten mit als die gefährlichsten der Welt. Unglücksmeldung reiht sich an Unglücksmeldung. Im August kamen bei einer Gasexplosion in Ostturkestan in der nordwestlichen Autonomen Region Xinjiang 新疆 zwei Minenarbeiter ums Leben, 23 wurden verletzt. Im nordöstlichen Jilin wurden am 10. August 2010 nach schweren Regenfällen 18 Bergleute in einer Kohlemine verschüttet. Nur drei Tage zuvor waren bei einer Gasexplosion in der südwestlichen provinz Sichuan 四川 sechs Bergleute getötet und 9 unverletzt gerettet worden. Gaaustritte und -explosionen scheinen besonders häufig die Ursache für Bergwerkunglücke zu sein. In der Provinz Anhui kam es zwischen 1990 und 2003 allein zu 135 Gasunglücken in Bergwerken, bei denen insgesamt 688 Menschen ums Leben kamen. China war im Mai dieses Jahres Gastgeber der International Conference on Coal Mine Gas Control Technology.

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Rettungskräfte bereiten Schläuche zum Abpumpen von Wasser vor. Nach heftigen Regenfällen waren in Tonghua in der nordötslichen Provinz Jilin 18 Bergleute in einer Kohlemine verschüttet worden. (Fotos: Xinhua; http://www.chinadaily.com.cn/imqq/china/2010-08/10/content_11132235_2.htm)

Die Debatte um die Sicherheitsvorschriften im Bergbau wird in China deshalb bereits seit längerem geführt. Erst letztes Jahr hat die chinesische Regierung deshalb die Sicherheitsvorschriften für Minen verschärft. Dennoch kamen bei Bergwerkunglücken im vergangenen Jahr nach offiziellen Angaben noch immer über 2.600 Menschen ums Leben. Das sind etwa 7 Tote jeden Tag, mehr als zehnmal so viel, wie in Chile. In Chile bezieht sich die Zahl jedoch auf Arbeitsunfälle allgemein, in China ausschließlich auf den Bergbau. Experten vermuten tatsächlich mehr Todesfälle, als die offiziell angegebenen. Ein großes Problem für die Behörden sind dabei auch viele illegale Minen. Ende September dieses Jahres hatte die Nationale Energiebehörde (National Energy Administration, NEA) 135 kleinere Kohleminen aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Aber auch der Energiehunger des Landes dürfte ein Grund für den desolaten Zustand des chinesischen Bergbaus sein. Das Land ist auf Rohstoffe angewiesen, um seine Wirtschaft am Laufen zu halten. Die Regierung hatte erst Ende August betont, wie wichtig der Kohlebergbau für die Industrie des Landes ist. China bezieht rund 70% seiner Energie aus Kohlekraftwerken.

China bemüht sich, die Sicherheit in den Minen zu gewährleisten. So werden laut der Behörde für Arbeitssicherheit (State Administration of Work Safety, SAWS) 105 Personen vor Gericht gestellt, die verantwortlich sein sollen für drei Bergwergunglücke in illegalen Minen, bei denen im Juni und Januar dieses Jahres und im September letzten Jahres 159 Menschen ums Leben gekommen waren. Weitere 71 Personen, darunter der Bürgermeister einer der betroffenen Gemeinden, müssen mit disziplinarischen Konsequenzen rechnen.

Bergwergunglück in China ist ein Post von China News Blog. Tut die Regierung genug, um die Leben der Bergleute zu schützen? Oder überwiegen die Interessen der Wirtschaft? Sag uns Deine Meinung und kommentiere diesen Beitrag.

Christian on October 12th, 2010

Die Vergabe des Friedensnobelpreises an den Bürgerrechtler und Literaturprofessor Liu Xiaobo löst weltweit höchst unterschiedliche Reaktionen aus. Während das chinesische Außenministerium heute die “wahren Intentionen” des Nobelkommittees in Frage stellte und Politikern “aus einigen Ländern” unterstellte, die Preisverleihung zu nutzen, um China anzugreifen, schwanken die Internetnutzer in ihren Kommentaren zwischen den Extremen. Ein historischer Akt befinden die Einen, eine Einmischung in interne Angelegenheiten die Anderen.

Die Entscheidung für Liu Xiaobo ist als historischer Akt für den Schutz der Menschenrechte zu sehen. Ich wundere mich immer wieder, wie ein Regime ein so großes Volk unterdrücken können. Es müssten doch nur einmal einige Millionen Chinesen auf die Straße gehen. (Nutzerin Tanja auf globalvoices, 11.10.2010)

I logged on to read the news, only to discover that the Nobel Prize committee had – once more – used the high profile world organization to interfere in politics. (Leserin Lisa auf China Daily, 12.10.2010)

Reporter Ohne Grenzen (ROG) berichtet derweil von einer Welle der Zensur. Die chinesische Zensurbehöre habe eine Anweisung an alle Medien herausgegeben, nicht über die Preisverleihung zu berichten. Die Tagesschau berichtete am Montag, lediglich die englischsprachigen Ausgaben chinesischer Medien berichteten kritisch über das Thema. Ein kritischer Kommentar auf chinadaily.com.cn war tatsächlich nur Englisch abrufbar. Beim Versuch, in der chinesischen Version der Seite nach dem Namen des Nobelpreisträgers zu suchen, erschien eine Fehlermeldung.

Fehlermeldung

Seit bekannt wurde, dass Liu Xiaobo den diesjährigen Friedensnobelpreis erhalten soll, kontrolliert die chinesische Regierung den Informationsfluss. Im chinesischen Netz sind Informationen kaum zu finden, Webseiten sind blockiert.

In einem sind sich viele Internetnutzer einig: China hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. Sie stimmen darin übrigens mit dem Nobel Kommittee überein, das die wirtschaftlichen und politischen Fortschritte Chinas in der Verkündung des diesjärhigen Friedensnobelpreisträgers ausdrücklich erwähnt hat.

Reaktionen auf Verleihung… ist ein Post von China News Blog. Ist die Verleihung des Friedensnobelpreises an den chinesischen Bürgerrechtler Liu Xiaobo eine Einmischung in innere chinesische Angelegenheiten? Welche Bedeutung hat die Verleihung des Preises für die politische Entwicklung Chinas? Wie beurteilst Du die Reaktion der chinesischen Regierung nach der Bekanntgabe des Preisträgers und die Entscheidung, in China nicht darüber zu berichten? Nutze die Kommentarfunktion, um uns Deine Meinung zu dem Thema mitzuteilen.

Die Welt blickt auf China: Friedensnobelpreis für chinesischen Bürgerrechtler Liu Xiaobo 刘晓波

Anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises an den chinesischen Bürgerrechtler Liu Xiaobo blickt alle Welt auf China. Die Verleihung hat weltweit unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen.

Das chinesische Außenministerium kommentierte, die Verleihung des Preises an einen „Kriminellen, der die chinesischen Gesetze gebrochen hat und dafür von der chinesischen Justiz verurteilt worden ist“ stünde Prinzipien des Preisstifters Alfred Nobel entgegen. Die Ministeriumssprecherin Ma Zhaoxu betonte, die Verleihung werde sich negativ auf die chinesisch-norwegischen Beziehungen auswirken, kommentierte die Preisverleihung aber sonst nicht weiter (Außenministerium der Volksrepublik China, 8.10.2010).

Viele Nichtregierungsorganisationen, darunter Reporter Ohne Grenzen (ROG) und amnesty international (ai) begrüßten dagegen die Vergabe des Preises an den chin. Literaturprofessor und Präsidenten des unabhängigen Schriftstellerverbandes P.E.N. als eine Entscheidung von „historischer Tragweite“ (ROG, 8.10.2010), die „mehr als verdient“ (ai, 8.10.2010) gewesen sei.

Die deutsche Bundesregierung begrüßte ebenfalls die Entscheidung und erklärte, man setze sich, wie auch früher für Liu Xiaobos Freilassung ein (REGIERUNGonline, 8.10.2010). Nicht wenige Internetnutzer in Deutschland sehen darin einen halbherzigen, den wirtschaftlichen Interessen untergeordneten Einsatz (meta.tagessschau.de, 8.10.2010). Auffallend ist aber, dass viele User nicht über den Nobelpreis streiten, sondern über die Menschenrechtslage in China und den adäquaten Umgang damit.

Der User “Adormus” unterstellt der westlichen Medienberichterstattung und den Ansichten seiner Mitkommentatoren dagegen ein “China-Bashing”, das angesichts der Errungenschaften der chinesischen Regierung ungerechtfertigt sei. Die Charta 08, die Liu 2008 mitinitiiert hatte, und für die er später verurteilt wurde, werfe China zurück in die Armut und das Chaos. (meta.tagesschau.de, 8.10.2010) In diese Richtung zielt auch eine Veröffentlichung der China Daily, wonach die Verleihung des Preises an Liu ein Komplott sei, um das aufsteigende China einzudämmen. Vielmehr werde daran der ideologische Graben zwischen China und wem Westen deutlich. (China Daily, 11.10.2010)

Ein User bekannte, durch die Verleihung des Preises an Liu Xiaobo sei er überhaupt erst auf diesen aufmerksam geworden. Liu sei bei der Fülle der Vorschläge vielleicht nicht der beste Preisträger, allemal aber habe er den Preis verdient. Von wirtschaftlichen Konsequenzen für China seitens des Westen halt er nichts: “Kaum vorzustellen welche Opfer dieser Mann bringt […]. Solche Leute sind gefährlicher für diese Regierung (die chinesische Regierung; Anm. d. Red.) als es ein Wirtschaftsembargo je sein kann.” (meta.tagesschau.de, 8.10.2010)

Die chinesischen Medien berichteten kaum über die Preisverleihung (tagesschau.de, 11.10.2010). Eine Online-Zeitung wurde nach Erscheinen eines Artikels über Liu Xiaobo zensiert, berichtet die Tagesschau. Dass der chinesische Staat nach Bekanntwerden der Entscheidung, den Friedensnobelpreis an Liu Xiaobo zu vergeben, die Zensurmaßnahmen verschärft hat und gegen Sympathisanten Lius und der Entscheidung vorgeht, berichten chinesische Blogger (globalvoicesonline, 9.10.2010). Die chinesischen Blogger sympathieren mit Liu mehr als mit der Regierung. Einem Kommentar zu folge ist Liu das Opfer einer brutalen Diktatur, ähnlich dem Hitler-Regime in Deutschland (globalvoices, 8.10.2010).

Liu Xiaobo war im Dezember 2009 von einem Pekinger Gericht wegen „Agitation mit dem Ziel des Umsturzes der Regierung“ zu 11 Jahren Haft verurteilt worden. Seine Berufung wurde im Februar 2010 abgewiesen. Seine Frau steht seit kurzem unter Arrest. Das nahm einer der tagesschau.de Leser zum Anlass zu fragen: “China empört über Preis für “Kriminellen”: Hat jetzt doch Helmut Kohl das Rennen gemacht?” (meta.tagesschau.de, 8.10.2010)

Friedensnobelpreis für chinesischen Bürgerrechtler ist ein Kommentar von China News Blog. Was ist deine Meinung zur Verleihung des Preises?

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Daniel on October 11th, 2010

Reisen wird in China von Jahr zu Jahr populaerer – in der Feiertagswoche Anfang Oktober waren mehr Chinesen als jemals zuvor im Land unterwegs

Während die Welt über Wen Jiabao’s Besuch in Europa und die Aufwertung des chinesisches Yuans diskutert, ist China – wie des öfteren – mit sich selbst beschaeftigt. Im Oktober und Februar jeden Jahres gibt es im gesamten Land Staatsferien. m vergangenen Jahr Mit steigendem Wohlstand und höherer Mobilität nutzen mehr und mehr Chinesen die freien Tage zum Reisen. Die 119 beliebtesten Touristenattraktionen in China sahen knapp 20 Prozent mehr Touristen als im vergangenen Jahr (China Daily, 5.10.10). Trotz Ausbau von Zugverbindungen, Flughäfen und Autobahnen waren Chinas Verkehrssysteme der Reisenachfrage nicht gewachsen. Allein am ersten Oktober fuhren 8,3 Millionen Chinesen mit der Bahn (Xinhua, 2.10.10) – soviel wie ganz Niedersachen inklusive Bremen. Es haette sicherlich noch mehr Passagiere gegeben, aber die Züge konnten trotz tausender Stehplatzkarten nicht mehr Leute transportieren. Auf der Straße verzeichnete das Verkehrsministerium insgesamt 474 Road Trips (Xinhua, 7.10.10). In Peking wurde die verbotene Stadt an einem einzigen Tag von 122.000 Menschen überrannt (China Daily, 3.10.10) während die Expo in Shanghai in der Feiertagswoche ueber 2.4 Millionen Besucher hatte (Xinhua, 7.10.10). Während sich die Menschen auf Straßen und in Zügen drängelten, klingelte es lauter als jemals zuvor in den Kassen derer, die mit Tourismus ihr Geld verdienen. Im Durchschnitt gaben die Touristen 460 Yuan aus (China Daily, 8.10.10). Nur die Stadtregierungen waren über die Feiertage besorgt – denn sie wussten über das bevorstehende Chaos der Rückreise Bescheid (China Daily, 6.10.10) .

122.000 Menschen an der verbotenen Stadt in Peking
Chinesen an der Verbotenen Stadt (c) China Daily.

Wenn China sich bewegt… ist ein Post von China News Blog. Teile uns in den Komentaren deine Reiseerfahrungen während der ersten Oktoberwoche in China mit oder sag uns was du denkst, wo der Chinesische Reisedrang noch hinwächst?

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